Arabistik



Sekundäreinträge in orientalischen Handschriften

Die im DFG-geförderten Projekt des Orientalischen Instituts “Datenbankgestützte Erfassung, Erforschung und Digitale Präsentation der Damaszener Familienbibliothek Refaiya” (2008-2013) gebildete Datenbasis mit Sekundäreinträgen wird derzeit durch die Erfassung der Sekundärvermerke aus der großen Sammlung orientalischer Handschriften an der Forschungsbibliothek Gotha beträchtlich erweitert. Hinzu kommen außerdem Sekundäreinträge der Orientalia aus der Staatsbibliothek Berlin und anderen deutschen sowie internationalen Sammlungen.

Ein solchermaßen stetig vergrößerter Datenfundus ermöglicht eine zunehmend differenzierte und effiziente Erforschung eines Stücks Alltagsgeschichte, das in verschiedenen Regionen und Epochen des islamischen Nahen Ostens eine wichtige Rolle spielte: der Buch- und Bibliothekskultur. In den von der bisherigen Forschung weitgehend übersehenen Besitzer-, Leser-, Hörer- und Stiftervermerken sind nämlich Informationen enthalten, die sich ansonsten kaum finden lassen. Auf Fragen wie „Wer hat zu welcher Zeit was gelesen?“ und „Wie viel haben Bücher damals gekostet?“ können durch systematische Aufnahme dieser Vermerke also in Zukunft klarere Antworten gegeben werden. Außerdem ist es möglich, durch die Auswertung von Hörervermerken (arab. samāʽāt) hinsichtlich der beteiligten Personen und der gelesenen Werke weitere Einblicke in die damalige Kultur der Wissensvermittlung zu gewinnen.

Auf informationstechnologischer Ebene sollen Instrumente erarbeitet werden, die die Vernetzung und differenzierte Suche der eingegebenen Daten aus Sekundäreinträgen ermöglichen. Bei einer weiteren technischen Entwicklung und einer gleichzeitig kontinuierlich ausgeweiteten Dateneingabe kann die Anwendung zu einer auch international genutzten Plattform werden, in dem Forschende die vorgefundenen Sekundäreinträge eingeben und über die Suchfunktionen des Systems z. B. Personen identifizieren und Zusammenhänge erkennen können. Damit entsteht für die historisch und sozialgeschichtlich orientierte Handschriftenforschung ein völlig neues und einzigartiges Präsentations- und Arbeitsinstrument.

 
Der technische Rahmen

Dieses Projekt baut auf der technischen Grundlage der am Rechenzentrum der Universität Leipzig (URZ) entwickelten und gepflegten Datenbank zur Erfassung und digitalen Präsentation orientalischer Handschriften auf. Diese mehrsprachige und mehrschriftliche Datenbank, die auf dem MyCoRe Content Management Systems basiert, wurde seit 2006 im Rahmen der vom Orientalischen Institut durchgeführten DFG-Projekte zur Erfassung und digitalen Präsentation der an der UB Leipzig aufbewahrten arabischen, persischen und türkischen Handschriften entwickelt und sukzessive weiter differenziert (www.islamic-manuscripts.net, www.refaiya.uni-leipzig.de).

Aber auch über Leipzig hinaus findet die hier entwickelte Infrastruktur Anwendung. So wird sie seit 2011 von der Staatsbibliothek Berlin für die Erfassung und Präsentation ihrer umfangreichen Bestände an Orientalia genutzt (Portal Orient Digital http://orient-digital.staatsbibliothek-berlin.de/) und wurde auch zum Modell für eine neue Plattform, die The Islamic Manuscript Association (TIMA, Cambridge) anbietet. TIMA (http://www.islamicmanuscript.org/home.aspx) ist der größte internationale Verband, der sich dem Schutz islamischer Handschriftenkollektionen widmet und Forschung mit Handschriften fördert. Dort trägt die in Kooperation mit dem URZ Leipzig begründete Portallösung für islamische Handschriftenbestände den Namen „The International Treasury for Islamic Manuscripts“ (derzeit in der Testphase). Es ist darüber hinaus vorgesehen, die Plattform Nutzern v. a. aus Asien und Afrika zur Katalogisierung ihrer Bestände anzubieten.

News:

Manuskript des Monats: "Mit Luft geschrieben"

Projektmitarbeiter Boris Liebrenz steuert die Beschreibung einer einzigartigen, in Scherenschnittechnik ausgeführten Handschrift zum blog Manuskript des Monats am Centre fo the Study of Manuscript Cultures in Hamburg bei:

http://www.manuscript-cultures.uni-hamburg.de/mom/2014_09_mom.html

posted by Boris Liebrenz (Tue Dec 9 10:43:13 2014)
Projektbeschreibung im neuen COMST-Newsletter

In der aktuellen Ausgabe (8, 2014) des Comparative Oriental Manuscript Studies Newsletter findet sich eine Ankündigung des Projektes:

http://www1.uni-hamburg.de/COMST/COMSt_Newsletter_8_2014.pdf

posted by Boris Liebrenz (Sun Jul 20 01:23:11 2014)


Mitarbeiter:


  • Prof. Dr. Verena Klemm

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  • Boris Liebrenz

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  • Friederike Schmidt

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