Oberrheinisches Erbauungsbuch


Informationen

Allgemeines

Beim sogenannten Oberrheinischen Erbauungsbuch handelt es sich um eine Sammlung verschiedener geistlicher Reimtexte, die wohl im späten 14. Jahrhundert im Rheinfränkischen entstanden ist. Der Bestand der lehrhaft geistlichen Reimpaargedichte, aus denen sich die Kompilation zusammensetzt, ist innerhalb der Überlieferungsträger relativ fest und die meisten der enthaltenen Texte sind weder in anderer Kombination als in der des Oberrheinischen Erbauungsbuches noch als Einzelschrift zu finden. In den Handschriften trägt ein Teil der Sammlung den Titel Der slecht weg zů dem himelrich.

Als relevante Autoritäten werden neben der Bibel als Hauptquelle auch Gregor der Große, Augustinus und Bernhard von Clairvaux zitiert. Die Verfasser der einzelnen Texte innerhalb der Verssammlung sind nur zum Teil bekannt.

Inhalt

Gemeinsam ist den verschiedenen Texten der Sammlung eine katechetische und moralphilosophische Ausrichtung. Eine klare Abgrenzung zwischen den einzelnen Texten ist innerhalb der Kodizes nur teilweise vorgenommen. Nicht in allen Überlieferungsträgern sind auch alle Erzählungen enthalten.

Zu den einzelnen Texten: Das mittelhochdeutsche Versgedicht Meister Albertus Lere handelt vom richtigen Verhalten in Ehe, Haushalt und Kindererziehung. Die apokalyptische Mahnrede Weltlohn eines Anonymus nimmt das schon aus der lateinischen Exempeltradition bekannte Motiv der personifizierten Frau Welt auf. In dem als Vorlage dienenden Der Welt Lohn von Konrad von Würzburg ist in dieser Version eine Pilgerallegorie eingefügt, die das Exempel über Eitelkeit und Umkehr noch um ein „Christusmirakel“ (Geiß 1999, Sp. 839) erweitert. Die Teufelsbeichte erzählt die Geschichte vom Teufel, der trotz seiner Beichte keine Absolution erlangen kann, weil Reue bei ihm wegen fehlender Gnade nicht möglich ist. Das Exempel vom Waldbruder zeigt das rechte Verhalten eines Einsiedlers als musterhaften Gottesdienst und die Compassio Christi als zentrales Element eines christlichen Lebens. Ferner sind das Marienlob des Johannes des Weisen, die Zehn Gebote, die sieben Sakramente, die sechs Werke der Barmherzigkeit und weitere kürzere Texte religiösen Inhalts enthalten.

Überlieferung

Im Wesentlichen ist die Kombination der Texte, die gemeinsam als Oberrheinisches Erbauungsbuch bekannt sind, in fünf Handschriften überliefert, die sich in Berlin (B), Düsseldorf (D), Dresden (DD), Karlsruhe (K) und Paris (P1) befinden. Sie sind zwischen dem zweiten und dem vierten Viertel des 15. Jahrhunderts entstanden. B, D und DD sind illustriert, DD und P1 stellen den Texten ein Register voran. Außerdem gibt es in Paris eine weitere, wohl ältere Handschrift P2, die im Kontext der Sammlung relevant ist,  weil drei der darin enthaltenen Verserzählungen mit dem Oberrheinischen Erbauungsbuch übereinstimmen, die aber auch andere, nicht zu der Sammlung gehörende Texte umfasst (Otto 2005). Der umfangreichste Textzeuge K entstammt wohl einer anderen Redaktion als die vier anderen, aber der gleichen wie P2. Bei K besteht beispielsweise die Textpartie Der slecht weg zů dem himelrich aus drei Teilen, wohingegen B, D, DD und P1 davon nur Teil 1 und 3 wiedergeben. Ob bei diesen gekürzt wurde oder bei K eine Erweiterung stattfand, ist unklar (Otto / Wachinger 2004, Sp. 1440). Die Vorlagen der jeweiligen Redaktionen sind verloren.

Die Lauber-Handschrift

Die Dresdener Handschrift Mscr.Dresd.M.60 ist das einzige Oberrheinische Erbauungsbuch aus der Lauber-Werkstatt und eines ihrer frühen Produkte. Es umfasst mit ungefähr 6600 Versen nur etwa zwei Drittel des Gesamtbestandes der Verssammlung (Otto 2012, S. 246). Bei den 85 kolorierten Federzeichnungen der Malergruppe A sind die Farben bis auf Rot und Blau stark verblasst (Otto 2005, S. 25). Die Permanenz der Malergruppe, die zwischen 1425 und 1445 geradezu ein Monopol auf die Illustrierungen bei Lauber hatte und deren Stil somit für die Werkstatt repräsentativ wurde, bildet in der Handschrift einen Gegensatz zum häufigen Wechsel ihrer sieben Schreiber (Saurma-Jeltsch 2001, Bd. 1, S. 99). In Schrifttypus und Layout unterscheidet sich Mscr.Dresd.M.60 bereits stark von der Werkstatt von 1418, stellt aber bezüglich der Gliederungshierarchie späterer Lauber-Erzeugnisse noch eine Übergangsform dar: Die Bildüberschriften, die zugleich als Kapiteleinteilung dienen, sind zunächst Lauber-atypisch in Fraktura geschrieben und durch ihre Linierung besonders herausgehoben. Gegen Ende des Kodex‘ nehmen sie die Lauber-übliche Form in Bastarda an (Saurma-Jeltsch 2001, Bd. 1, S. 79f. und S. 87). Auf den ersten drei Blättern geht der Handschrift ein gliederndes Register voraus.

Forschungsliteratur

Closs, August (Hrsg.): Weltlohn, Teufelsbeichte, Waldbruder. Beitrag zur Bearbeitung lateinischer Exempla in mittelhochdeutschem Gewande nebst einem Anhang: ›De eo qui duas volebat uxores‹, eingel. von August Closs, Heidelberg 1934 (Germanische Bibliothek 2. Abt.: Untersuchungen und Texte 37).

Geiß, Jürgen: ›Waldbruder‹, in: ²VL, Bd. 10, 1999, Sp. 611f.

Geiß, Jürgen: ›Weltlohn‹, in: ²VL, Bd. 10, 1999, Sp. 838-840.

Koppitz, Hans-Joachim: Albertanus von Brescia, in: ²VL, Bd. 1, 1978, Sp. 151-154.

Otto, Arnold: ›der slecht weg zuo dem himelrich‹. Ein oberrheinisches Erbauungsbuch, Berlin 2005 (Texte des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit 42).

Otto, Arnold / Wachinger Burghart: ›Der slecht weg‹ und das ›Oberrheinische Erbauungsbuch‹, in: ²VL, Bd. 11, 2004, Sp. 1437-1441.

Otto, Arnold: Geistliches aus Diebold Laubers Frühzeit. Die Handschriften M 60 aus der Sächsischen Landesbibliothek Dresden und W.fol.251 auf dem Historischen Archiv der Stadt Köln, in: Fasbender, Christoph (Hrsg.): Aus der Werkstatt Diebold Laubers, Berlin / Boston 2012 (Kulturtopographie des alemannischen Raums, Bd. 3), S. 245-256.

Ruh, Kurt: Johannes der Weise, in: ²VL, Bd. 4, 1983, Sp. 798.

Saurma-Jeltsch, Lieselotte E.: Spätformen mittelalterlicher Buchherstellung. Bilderhandschriften aus der Werkstatt Diebold Laubers in Hagenau, Bd. 1 u. 2, Wiesbaden 2001.

Schnyder, André: ›Teufelsbeichte‹, in: ²VL, Bd. 9, 1995, Sp. 727-729.

Suntrup, Rudolf [u.a.]: ›Zehn Gebote‹ (Deutsche Erklärungen), in: ²VL, Bd. 10, 1999, Sp. 1481-1503.

(CM)

Signatur Werkstatt Datierung Datierung2 HSC Digitalisat Optionen
Dresden, SLUB, Mscr.Dresd.M.60 Werkstatt Diebold Lauber 1422-24 1422 |


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