Sigmundbuch (Eberhard Windeck)


Informationen

Allgemeines

Wohl als „persönliches Memorandum“ (Schneider 2010, S. 234) verfasste der vielgereiste Eberhard Windeck (ca. 1380-1440) Ende der 1430er Jahre das Sigmundbuch. Windeck ist vermutlich ab 1410  als Begleiter und eine Art „Finanzfachmann“ (Johanek 1999, Sp. 1198) zur näheren Anhängerschaft Kaiser Sigismunds zu zählen. Das chronistische Werk, das wahrscheinlich nicht von Windeck selbst geschrieben wurde, sondern im Diktat entstand, ist der einzige überlieferte Text des Autors und stellt ein bedeutendes Zeugnis mittelalterlicher Geschichtsschreibung dar. Neben eigenen Erinnerungen nutzte Windeck auch Urkunden und andere Schriftdokumente aus dem Stadtarchiv seiner Heimatstadt Mainz für die Arbeit (Wyss 1894, S. 471). Vom Ursprungswerk gibt es zwei Überarbeitungen, von denen die letzte und überwiegend in der Überlieferung repräsentierte Fassung wohl nicht mehr auf Windeck selbst zurückgeht. Überschneidungen und Wiederholungen in der Komposition des Textes lassen annehmen, dass Windeck starb, bevor er sein Werk fertigstellen konnte.

Inhalt

Im Sigmundbuch verbinden sich die persönliche Perspektive und Biographie des Autors mit der Reichs- und Königsgeschichte Sigismunds (Schneider 2005, S. 171). Trotz gelegentlicher Kritik stehen Lob und Andenken an Kaiser Sigismund und dessen Taten als zusammenhaltende Aspekte im Mittelpunkt des Textes. Windeck nimmt aber auch zeitgenössische Ereignisse wie die Hussitenkriege oder Anekdoten zu Jeanne d’Arc auf. Außerdem enthält das Sigmundbuch eine scharfe Kritik an Klerus und geistlichen Fürsten.

Überlieferung

Die Forschungslage zur genauen Anzahl der erhaltenen Überlieferungsträger des Sigmundbuches ist strittig. Zu den sechs von Peter Johanek im Verfasserlexikon genannten Handschriften (Johanek 1999, Sp. 1200f.) führt der Handschriftencensus einen weiteren siebten Codex auf. Zwei im Privatbesitz befindliche Fragmente werden hier dem Wiener Cod. 13975 zugerechnet. Lieselotte Saurma-Jeltsch bewertet eines dieser Fragmente, das im Handschriftencensus als Blatt [c] des Wiener Codex gelistet ist, als Teil einer eigenständigen Handschrift und zählt somit acht erhaltene Manuskripte des Sigmundbuches.

Die Lauber-Handschriften

Es werden vier der bislang bekannten Überlieferungsträger als Produkte der Lauber-Werkstatt angenommen. Da zwei dieser Textzeugen (Wien Cod. 13975 und das Fragment der Sammlung Thomée) ursprünglich wohl aus derselben Handschrift stammen, sind nach derzeitigem Kenntnisstand wenigstens drei Exemplare des Sigmundbuches bei Lauber entstanden. Der Titel des Werkes wird jedoch in keiner Verlagsanzeige Laubers genannt.  Lieselotte Saurma-Jeltsch stellt daher die Überlegung an, ob mit der Nennung herczog von österreych in den Werbeanzeigen des Heidelberger Cod. Pal. germ. 314 und des Londoner Add. Ms. 28752 der Windeck-Text gemeint sein könnte (Saurma-Jeltsch 2001, Bd. 1, S. 241/31). Die Ausgaben der Lauber-Werkstatt, die vermutlich erstmals Rubra, Überschriften, Kapitelzählungen  und Illustrationen für das Werk leistet, gehören wohl alle der redaktionellen Neufassung des Textes an, die erst nach Windecks Tod entstanden ist (Schwob 2001, S. 306).

Die wahrscheinlich jüngste Handschrift des Sigmundbuches aus der Werkstatt ist der im Privatbesitz befindliche Codex mit der Sigle C (ehemals Cheltenham), der heute gesichert als identisch mit der Ebnerischen Handschrift (ehemals Sigle E) gilt. Als solche wurde sie nach Ausweis der in den  Illustrationen verwendeten Wappen für Angehörige des Nürnberger Ratsgeschlechts der Ebner gefertigt (Schneider 2005, S. 173). Die Wappen und Bildthemen legen zudem eine Entstehung der Handschrift nach der Mitte der 1450er Jahre nahe (vgl. Saurma-Jeltsch 2001, Bd. 1, S. 164). Die 306 foliierten Blätter enthalten 174 überwiegend ganzseitige Illustrationen, deren Ausführung Arthur Wyss als „geschäftsmäßig praktisch“ (Wyss 1894, S. 470) bezeichnet. Ein großer Mittelteil des Werkes mitsamt 19 Abbildungen gilt als verloren (Schneider 2005, S. 177).

Der Wiener Cod. 13975, Sigle V1, dem ursprünglich auch ein Einzelblatt aus der Privatsammlung Thomeé als Blatt 109 des Codex zuzurechnen ist, gilt als das Hauptwerk des Malers I, der einer jüngeren Malergeneration der 1450er Jahre in der Lauber-Werkstatt angehört. Mit 246 Illustrationen ist die Handschrift reich bebildert. Da sie mit auffällig vielen Handschriften dieser Zeit (Frankfurt Ms. Carm. 1, Berlin Ms. germ. fol. 1, Heidelberg Cod. Pal. germ. 19, Heidelberg Cod. Pal. germ.  22 und Heidelberg Cod. Pal. germ. 339) Wasserzeichen-Überschneidungen aufweist, lässt sich ein organisatorischer Produktionszusammenhang zwischen diesen Handschriften vermuten.

Als ehemals ältestes Exemplar nennt Lieselotte Saurma-Jeltsch ein Windeck-Fragment, das bislang wohl fälschlich als Teil von Cod. 13975 begriffen wurde. Der Malstil unterscheidet sich jedoch von dem des Malers I in der Wiener Handschrift stark und stimmt eher mit dem der Malergruppe A überein. Die Stilistik dieses Einzelblattes, auf dem die Heilige Hildegard abgebildet ist, legt eine Entstehungszeit zwischen 1440 und 1445 nahe. Da der Verbleib dieses Fragments unbekannt und im Auktionskatalog, in dem sich eine Kopie desselben befindet, kein Wasserzeichen vermerkt ist, lässt sich eine genauere Einschätzung dieses Textzeugen nicht vornehmen.

Forschungsliteratur

Fasbender, Christoph: Vom Titulus zum Textregister. Notiz zur Erschließung zweier später Handschriften des ›Wilhelm von Orlens‹, in: Ders. (Hrsg.): Aus der Werkstatt Diebold Laubers, Berlin / Boston 2012 (Kulturtopographie des alemannischen Raums 3), S. 59-70.

Fouquet, Gerhard: Geldgeschäfte im Auftrag des römischen Königs. Eberhard Windeck, Brügge, Lübeck und König Sigismund (1415-1417), in: Zeitschrift für Historische Forschung, Bd. 41, Nr. 3, S. 375-399.

Johanek, Peter: Windeck (Windecke) Eberhard, in: ²VL, Bd. 10, 1999, Sp. 1197-1206.

Saurma-Jeltsch, Lieselotte E.: Spätformen mittelalterlicher Buchherstellung. Bilderhandschriften aus der Werkstatt Diebold Laubers in Hagenau, Bd. 1, Wiesbaden 2001.

Schneider, Joachim: Das illustrierte ›Buch von Kaiser Sigmund‹ des Eberhard Windeck. Der wiederaufgefundene Textzeuge aus der ehemaligen Bibliothek von Sir Thomas Phillipps in Cheltenham, in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 61, 2005, S. 169-180.

Schneider, Joachim: Vom persönlichen Memorandum zum kommerziellen Produkt: Das Buch von Kaiser Sigmund des Eberhard Windeck und die Werkstatt des Diebold Lauber, in: Susanne Rau / Birgit Studt (Hrsg.): Geschichte schreiben, Berlin 2010, S. 234-244.

Schwob, Ute Monika: Ideologischer und militärischer Kampf gegen die Hussiten. Oswald von Wolkenstein und Eberhard Windecke als Zeitzeugen, in: Dominique Fliegler / Václav Bok (Hrsg.): Deutsche Literatur das Mittelalters in Böhmen und über Böhmen, Wien 2001, S. 301-318.

Wyss, Arthur: Eberhard Windeck und sein ›Sigmundbuch‹, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 11, 1894, S. 433-483.

(CM)

Signatur Werkstatt Datierung Datierung2 HSC Digitalisat Optionen
Privatbesitz N. N., ohne Signatur Werkstatt Diebold Lauber 1445 1445 |
Wien, ÖNB, Cod. 13975 Werkstatt Diebold Lauber um 1446 1446 |
ehemals München, Firma Halle, ohne Signatur [Fragment] Werkstatt Diebold Lauber um 1440-1445 1440 |
Privatbesitz Sammlung Thomée (Deutschland), ohne Signatur [Fragment] Werkstatt Diebold Lauber um 1450 1450 |


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