Schwabenspiegel


Informationen

Allgemeines

Der Schwabenspiegel  wurde von einem oder mehreren namentlich unbekannten Autoren aus dem Umkreis der Augsburger Franziskaner verfasst. Er geht auf den Deutschenspiegel und damit auch auf den bedeutenden Sachsenspiegel Eikes von Repgow zurück. Einer raschen flächendeckenden Verbreitung des Schwabenspiegels im deutschsprachigen Raum folgten auch Übersetzungen in andere Sprachen. Datiert wird dieser oberdeutsche Rechtstext in seiner ursprünglichen Kurzform auf die Jahre 1275/76. Bald danach entstanden aber auch andere Überlieferungsformen, die heute nach den Kategorien der Langformen, der Normalformen und der systematischen Formen geordnet werden. Die Bezeichnung Schwabenspiegel wurde erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts durch Melchior Goldast von Haiminsfeld eingeführt, da die Handschriften selbst keine einheitlichen Namen tragen (Oppitz 1990, S. 35).

Etwa zur gleichen Zeit wie der Schwabenspiegel wurden auch das Buch der Könige und die wenig jüngere Prosakaiserchronik verfasst, die dem Schwabenspiegel in einigen Exemplaren der Lang- und der Normalform einleitend vorangestellt sind. Sind das Buch der Könige und die Prosakaiserchronik als Einheit überliefert, wird dieser Text heute meist als Buch der Könige alter ê und niuwer ê bezeichnet.

Inhalt

Als Einleitungstext hatte das Buch der Könige alter ê und niuwer ê für den Schwabenspiegel die Funktion einer biblisch-historischen Exempelsammlung (Kornrumpf 1990, S. 507). Diese Einführung veranschaulicht an der Historie, was anschließend im Schwabenspiegel in Form von Rechtsparagraphen abgehandelt wird (Herkommer 1978, Sp. 1090). Der Rechtstext des Schwabenspiegels unterteilt sich in die Teile Landrecht und Lehenrecht und soll allen Deutschen ein juristisch geregeltes Leben ermöglichen. Damit ist er als Anleitung für all jene zu verstehen, die im Rechtswesen Verfügungsgewalt besitzen. Es ist anzunehmen, dass die Betonung des Friedensgedankens den politischen Intentionen des Königs Rudolf I. entsprach (Johanek 1992, Sp. 904).

Überlieferung

Vom Schwabenspiegel sind über 300 Handschriften und Fragmente erhalten. Die gemeinsame Überlieferung der beiden Teile Landrecht und Lehenrecht stellt den Normalfall dar, aber auch eine separate Überlieferung der beiden Einzelteile ist keine Seltenheit, wobei hier der Landrechtsteil mit fast 400 Textzeugen eine größere Verbreitung fand als das Lehenrecht. Von der ursprünglichen Kurzform des Schwabenspiegels, die ebenso wie die systematischen Formen niemals das Buch der Könige enthält (Kornrumpf 1990, S. 508), sind nur 21 Codices bekannt (Eckhardt 1981, S. 9). Die reichste Überlieferung erfuhren die sogenannten Normalformen. Eine gemeinsame Überlieferung des Buchs der Könige alter ê und niuwer ê  und des Schwabenspiegel liegt in nur sechs erhaltenen Handschriften vor, öfter diente das Buch der Könige allein als Einleitungstext für die schwäbische Rechtsschrift.

Die Lauber-Handschriften

Der Lauber-Werkstatt können mindestens zwei Handschriften des Schwabenspiegels zugewiesen werden, die beide die Normalform des Rechtstextes überliefern und diesen mit dem Buch der Könige einleiten: Brüssel ms. 14689-91 und Trier Hs. 852/1311 4°. Der Brüsseler Codex stellt in der Schwabenspiegel-Überlieferung insofern eine Besonderheit dar, als er unter der Vielzahl an Handschriften der einzige durchgängig bebilderte ist (Derschka 2002, S. 309). Hierbei zeigen sich in der Motivik einige Gemeinsamkeiten mit anderen Lauber-Handschriften und insbesondere mit den Historienbibeln, was den heilsgeschichtlichen Anspruch des juristischen Textes hervorhebt (Saurma-Jeltsch 2001, S. 110). Die drei Teile Buch der Könige, Landrecht und Lehenrecht beginnen alle mit einer ganzseitigen verzierten Initiale und sind insgesamt mit 106 Illustrationen von „vergleichsweise oberflächliche[m] Charakter“ (Derschka 2002, S. 315) ausgestattet.

Die Trierer Hs. 852/1311 4° ist eine Kompilation aus fünf Texten, von denen aber nur das Buch der Könige und der Schwabenspiegel aus der Lauber-Werkstatt stammen. Betty Bushey hält auch die Zuweisung dieser beiden Teile zu der Werkstatt nicht für gesichert (Bushey 1996, S. 135). Eine Titelminiatur zu Beginn des Lehenrechts sowie Reste einer weiteren Federzeichnung im Teil des Landrechts stellen die einzige und für Lauber sehr karge Bildausstattung des Buches dar. Fünf frei gelassene Blätter innerhalb der Handschrift lassen es offen, ob eine weitere Ausschmückung geplant gewesen sein könnte (Mackert 2012, S. 305/23).

Eine ganz ähnliche Abbildung, wie sie in der Trierer Kompilation enthalten ist, befindet sich auch in einer Schwabenspiegel-Handschrift der Fürstlich Waldburg-Wolfeggschen Bibliothek in Wolfegg. Diese Zeichnung im vorderen Spiegel des Wolfegg’schen Codex’ ist sicher als ein Produkt der Malergruppe A aus der Lauber-Werkstatt zu identifizieren (Derschka 2002, S. 399). Wie die beiden anderen Schwabenspiegel-Überlieferungszeugen Laubers ist der Wolfegg’sche Rechtstext in der Normalform überliefert, enthält aber einleitend nicht das Buch der Könige. Seine Entstehungszeit zwischen 1440 und 1450 (Saurma-Jeltsch in Derschka 2002, S. 399) sowie rote Überschriften und ein abschließendes Register (Mandry 1866, S. 309f.) schließen auch die Textproduktion in der Lauber-Werkstatt nicht aus, jedoch kann bisher nur die Illustration zweifelsfrei der Lauber-Werkstatt zugewiesen werden. Weitere Zeichnungen enthält das Wolfegg’sche Manuskript nicht.

Forschungsliteratur

Bushey, Betty C.: Die deutschen und niederländischen Handschriften der Stadtbibliothek Trier bis 1600, Wiesbaden 1996 (Beschreibendes Verzeichnis der Handschriften der Stadtbibliothek zu Trier, Neue Serie 1).

Derschka, Harald Rainer: Der Schwabenspiegel übertragen in heutiges Deutsch mit Illustrationen aus alten Handschriften, München 2002.

Eckhardt, Karl August (Hrsg.): Schwabenspiegel. Kurzform. I Landrecht. II Lehnrecht, 2. neubearb. Aufl., Hannover 1981.

Herkommer, Hubert: ›Das Buch der Könige alter ê und niuwer ê‹, in: ²VL, Bd. 1, 1978, Sp. 1089-1092.

Johanek, Peter: ›Schwabenspiegel‹, in: ²VL, Bd. 8, 1992, Sp. 896-907.

Kornrumpf, Gisela: Chronik und Roman. Das ›Buch von Troja I‹ als Quelle Jakob Twingers von Königshofen, in: Horst Brunner (Hrsg.): Die deutsche Trojaliteratur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Materialien und Untersuchungen, Wiesbaden 1990 (Wissensliteratur im Mittelalter 3), S. 457-467.

Mackert, Christoph: Ein typisches Produkt aus der Spätzeit der Lauber-Werkstatt? Zur Handschrift der ›Leipziger Margarethe‹, in: Christoph Fasbender (Hrsg.): Aus der Werkstatt Diebold Laubers, Berlin / Boston 2012 (Kulturtopographie des alemannischen Raums, Bd. 3), S. 299-326.

Mandry, Gustav: Zwei Handschriften des Schwabenspiegels, in: Zeitschrift für Rechtsgeschichte 5, 1866, S. 303-320.

Oppitz, Ulrich-Dieter: Deutsche Rechtsbücher des Mittelalters, Bd. 1. Beschreibung der Rechtsbücher, Köln 1990.

Saurma-Jeltsch, Lieselotte E.: Spätformen mittelalterlicher Buchherstellung. Bilderhandschriften aus der Werkstatt Diebold Laubers in Hagenau, Bd. 1, Wiesbaden 2001.

(CM)

Signatur Werkstatt Datierung Datierung2 HSC Digitalisat Optionen
Brüssel, KBR, ms. 14689-91 Werkstatt Diebold Lauber 1441-1445 1441 |
Trier, Stadtbibl., Hs. 852/1311 4° Werkstatt Diebold Lauber 1439-1444 1439 |
Wolfegg, Fürstl. Waldburg-Wolfeggsche Bibliothek, ohne Signatur [Fragment] Werkstatt Diebold Lauber 1440-1450 1440 |


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